Keuner-Geschichten

Sep 12th, 2010 | By | Category: Allgemeines, Kennt Ihr schon...?

Auseinandersetzung mit Keunergeschichten von Bertolt Brecht

Ein Projekt der UIId

Der Kommunist Bertolt Brecht lebte von 1898 bis 1956 und war ein deutscher Schriftsteller.

Viele seiner Arbeiten hatten einen agitatorischen Hintergrund. Mit die bekanntesten Werke von ihm sind wohl die Keunergeschichten. Herr Keuner, oder auch nur Herr K., ist das „alter ego“ von Brecht, das heißt über Herrn K. kann Brecht seine eigene Meinungen und Handelsweisen als der denkende Dichter in seine Geschichten einbringen.

Der Stil dieser Geschichten ist ein ganz eigener, oft wird eine These mit einer Erzählung erklärt und die Sprache erinnert an die Bibel.

Wir, Schülerinnen und Schüler der UIId, haben eigene Keunergeschichten geschrieben, die hier zu lesen sind.

Vorweg aber noch eine Art Charakterisierung von Brecht in Form der Geschichte „Von den Trägern des Wissens“, denn auch er selbst ist ein Träger des Wissens.

„ Wer das Wissen trägt, der darf nicht kämpfen; noch die Wahrheit sagen; noch einen Dienst erweisen; noch nicht essen; noch die Ehrungen ausschlagen; noch kenntlich sein. Wer das Wissen trägt, hat von allen Tugenden nur eine: daß er das Wissen trägt“, sagte Herr Keuner.

———————————-

Geschichten der UIId
Helfen

Als Herr K. nach der Bedeutung von Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft gefragt wurde, erzählte er eine Geschichte: „Herr Wichtig, dem gelehrt worden war, man müsse immer hilfsbereit sein, ging jeden Tag über die gleiche Straße. Er half einmal einer alten Dame von hoher Herkunft, sie zu überqueren. Ein andernmal stand dort eine arme alte Frau. Ihr half er nicht über die Straße.“ Nun fragte ihn der Hörer: „Also ist man nur hilfsbereit, wenn man höherer Gesellschaft hilft?“ – „Jeder hilft seinen Nächsten, aber nicht jedem Nächsten.“

Julia Struck

Über das Hungern

Herr K. sagte: „Ich kann nicht essen, wenn ich andere Leute hungern sehe“, oder wenn er wisse, dass es jene gebe, die zu gleicher Zeit nicht genug zu essen hätten. „Verhungert wäre er ja längst“, mögen einige sagen, aber so meint Keuner das ja nicht.
„Wahrscheinlich wollte ich sagen, dass es mir schwer fällt, im Überfluss zu leben, während anderswo, in Ländern, wo Hunger herrscht, die Leute nichts zu essen haben. Anzuführen habe ich dazu, dass mir mein Leben nicht erfüllt vorkommt, solange ich von anderen weiß, wie sie hungern. Nichts dagegen tun zu können, ist wohl fast so schlimm wie selber zu hungern.“

Michel Müller

Vorurteile

Ein Mann fragte Herrn K., warum er gegen Vorurteile sei. Dieser antwortete: „Es war ein beleibter, reicher Mann, der wollte eine Reise machen in ein Land, wo Hunger herrschte. Mit dem Gedanken daran, dass er in einem solchen Land wohl kaum sein Geld würde ausgeben können, ein Herr von seinem Stand aber ja wohl trotz der Armut, des Hungers und des niederen Wissensstandards der Bevölkerung eine angemessene Behandlung erwarten könne, ging er in eine Herberge und verlangte nach dem besten Zimmer. Als er nun aber nach einigen Tagen das Land wieder verlassen wollte, wurde es ihm verwehrt, da er die Kosten nicht begleichen konnte. So verzögerte sich seine Abreise, bis er es endlich geschafft hatte, den geforderten Betrag herbeizuschaffen. In dieser Zeit erging es ihm nicht gut, da das Volk seine abwertende Haltung wahrnahm. Wenn er am Ende auch viel Unangenehmes erlebt hatte, so hatte er doch für sich eine wichtige Erkenntnis gemacht: Ohne Vorurteile wäre es ihm leichter ergangen.“

Brinja Flemming & Janina Strauß

Zeit

Auf einer langen Autofahrt fragte Frau Keuner: „Wann sind wir da?“ „Zeit unseres Lebens sind wir da“, antwortete Herr Keuner.

Felicitas Wiener

Über Ungerechtigkeit

Herr Keuner sagte einst, dass die Welt ungerecht sei.
Er erzählte dazu eine Geschichte von einem wohlhabenden Mann, der vom Unrecht lebte, und von einem Mann aus dem niedrigeren Volk, der einen Gerechtigkeitssinn hatte und mühsam für sein Geld arbeitete, aber dem trotzdem kein Recht wierfuhr.

David Morilla

Ungleichheit

Herr K. sprach sich gegen die ungerechten Behandlungsweisen aus, die zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Schichten bestehen.
Dazu offenbarte Herr K. folgende Geschichte:
Ein Gutsherr, dessen Felder und Gärten sich über mehrere Hektar erstreckten und der mehrere Leibeigene besaß, die von früh morgens bis spät abends die Gärten richteten und die Felder bewirtschafteten, bekam eines schönen Sommertages, der der wärmste der letzten Dekade zu sein schien, Besuch eines sozialständig gleichgestellten und nebenbei auch befreundeten Cousins, der die vorliegenden Gärten begutachtete.
Dieser sprach: „Mein lieber Herr Vetter, diese Gärten scheinen doch sehr viel Mühe und Zeit gekostet zu haben?!“ Der Gutsherr antwortete: „Ja, dies war sehr mühselig für mich; und erst die Hitze, die machte mir echt zu schaffen!“, „Das kann ich mir gut vorstellen“, entgegnete der Cousin.

Saskia-Sophie Müller

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • PDF
  • Twitter
Tags: , ,

One comment
Leave a comment »

  1. [...] Herr Kühn jedoch konnte nicht weggucken und schritt rechtzeitig ein, um sich gegen die Gewalt mit ihren eigenen Mitteln der Gewaltausübung zu wehren. Danach sprach er ein Machtwort: „Es benötigt mehr Menschen wie mich.“ Weitere Geschichten und Erläuterungen sind in einem anderen Artikel zu finden : Keuner-Geschichten [...]

Leave Comment